Gedanken eines Wartenden
Beim warten an der Bushaltestelle traf ich Menschen, die mich dies schreiben machten.
Du kommst zur Haltestelle, wartest auf deinen Bus. Du kommst, aber sie sind schon da. Laut hören sie ihre Musik. Und laut kommentieren sie die Länge deiner Haare, die untypisch ist, für ihr Bild eines Mannes. Sie nennen dich Jesus 2, nennen dich Dreck. Du tust so, als würdest du ihre Verschmähungen nicht mitbekommen, du rührst dich nicht. Ihre Beschimpfungen werden schnell agressiver, sie wollen beachtet werden. Nachdem du dich weiterhin nicht rührst, stellt sich einer direkt vor dich. Du musst ihn sehen, also schaust du ihm direkt ins Gesicht.
Er versucht, dich über deine Haare in einen Streit zu verwickeln. Du antwortest knapp und bestimmt, gibst ihm keine Fläche. Als er sich, nachdem er in Wut rumgebrüllt hat, wieder zu seinen "Freunden" gesellt, flüsterst du leise zu dir. Du flüsterst:
Ich schäme mich.
Ich schäme mich -
nicht für meine Haare, sondern für ihre Intoleranz.
Ich schäme mich, weil ich wütend war, auf sie.
Auf sie, die mir mit ihrer Intoleranz zeigen, dass sie die schwächeren sind.
Sie sind die schwächeren, weil sie es sind, die Individualität nicht akzeptieren können,
weil sie sich selbst nicht akzeptieren können.
Und ich schäme mich, weil ich schwächeren so schlechtes wünsche,
anstatt ihnen gute Wünsche zu geben.
Ich steige in den Bus, und die Gedanken kommen mit..
Sie sind so zerbrochen.
Deshalb kannst du ihnen nicht helfen, mit wärme.
Sie wollen andere leiden sehen, damit sie sich lebendiger fühlen.
Sie verstehen dich nicht, dir geht es gut.
Sie glauben dir nicht, dass du etwas verbessern wirst,
du bist ja nichteinmal wie sie.
Du bist nicht wie sie, kennst ihre Probleme nicht.
Du bist nicht wie sie, hast das Denken noch nicht an die lokale Propaganda abgegeben.
Du glaubst nicht alles, was du denkst.
Irgendwie leider immer wieder..
November 16th, 2007 - 23:29
Mann… Was es für Menschen gibt, wirklich erstaunlich, es kommt mir so seltsam vor… Ich finde, das hast du mit deinem Text sehr gut übermittelt, das Gefühl, das einen bei solch primitiven Kommentaren überkommt. Wie recht du doch hast. Und wie gerne man diese weisen Worte wieder vergisst, ich zumindest.Denn ich kann es nicht nachvollziehen, wie man so sein kann, wie diese Menschen an der Bushaltestelle.
November 17th, 2007 - 11:26
Ich kann es auch nicht nachvollziehen… Außerdem passiert sowas, wie da an der Bushalte, irgendwie nur den Runges…sry, es ist so…. mir ist sowas noch nie passiert…
November 17th, 2007 - 20:44
hmmm….jetzt verstehe ich….wie du es geschafft hast über diese frage nachzudenken….hmmm und ich kann mich…. mal wieder mit sowas identifizieren….=)
November 18th, 2007 - 16:47
@neb: Das passiert manchmal sogar Mädchen, die an einer Bushaltestelle stehen … nur nicht wegen ihrer Haare, sondern wegen ihres Hutes, ihres Mantels oder den Ohren, die es schon seit Monaten nicht mehr trägt ^^
@sicarius: Ich finde, du hast diese Angelegenheit wirklich sehr gut in Worte gefasst. Es gibt wirklich seltsame Menschen in dieser Welt. Schlechtes wünsche ich ihnen nun nicht, eher fände ich die Welt langweilig ohne sie, über die man sich lustig machen kann hin und wieder ^^ … aber ich denke, du bist um einiges mehr betroffen, also kann ich dich schon verstehen.
November 19th, 2007 - 17:42
Es ist schon möglich sie zu verstehen(ohne deshalb wie sie sein zu müssen) und das kann unglaublich viel wert sein. Mimik und Gestik sagen in so einem Augenblick mehr als jedes(ungesprochene) Wort und wenn du sie nicht bemitleidest oder irgendeine Weise von Unverständnis für ihr Verhalten durch deinen Kopf schwirrt, sondern du (nicht bemitleidendes!) Verständnis und Respekt (jeder Mensch kann sich mal wie ein Arschloch verhalten) ihnen gegenüber ausstrahlen kannst, dann haben sie nicht nur keinen Anhaltspunkt sondern auch nichtmehr den Willen, Aggressionen gegen dich aufzubauen. Sie wollen nicht ignoriert werden und kein Mitleid, sondern Anerkennung für ihre Stärke dem, was sie frustriert standhalten zu können. Wenn du ihnen helfen willst, versuche nicht sie zu ignorieren sondern sie zu verstehen, denn dabei ist es wir mit dem Hungerleidenden und dem Fisch: gib ihm einen Fisch und er hat einen Tag zu essen, gib ihm eine Angel und er hat ein Leben lang zu essen.
Jede verflogene Aggression ist eine Aggression, die sie nichtmehr an jemand anderem auslassen.
Davon mal abgesehen wirst du merken, dass ihr aggressiver Ausdruck in Anerkennung/Respekt dir gegenüber umschwingt, wenn du genau den oben beschriebenen Punkt erreicht hast.
Denkt darüber was ihr wollt, oder lasst es bleiben ^^
November 19th, 2007 - 17:55
Ihnen Respekt entgegenzubringen ist wie ich finde etwas übertrieben … Akzeptanz reicht meiner Meinung nach vollkommen.
November 19th, 2007 - 19:01
Welcher normale Mensch hat keinen Respekt verdient? Selbst wenn er ein Arsch ist muss es noch kein Grund sein respektlos zu sein, auch wenn man die Person wegen ihrem Verhalten vielleicht nicht so achtet.
November 19th, 2007 - 19:03
(Nicht, dass es zu Missverständnissen kommt, ich meine Respekt im Sinne von jemanden Respektieren, nicht im Sinne von jemandem seinen Respekt für etwas zollen)
November 19th, 2007 - 19:03
Guter Punkt, MasterM – das muss man zugeben ;)
Ist mal eine lebendige Diskussion hier ^^
November 19th, 2007 - 21:32
Jemanden respektieren bedeutet doch Anerkennung und Achtung zeigen, was hieße, dass man das was diese Person tut, gut findet.
Akzeptanz hingegen heißt, etwas anzunehmen und hinzunehmen, was bedeutete, dass man den Taten dieser Person nicht unbedingt zustimmen muss, aber billigt, dass sie geschehen.
Mich spricht eher letzteres an.
November 19th, 2007 - 22:11
Eher würde ich es Steigerung sehen: tolerieren – akteptieren – respektieren – schätzen.
Man kann beispielsweise auch die Entscheidung einer Person respektieren, zu einer bestimmten Religion zu wechseln, ohne dass du diese Entscheidung gut finden musst. Es ist halt ein Unterschied, ob man jemanden respektiert, oder ob man Respekt vor jemandem hat weil das Wort an sich nicht ganz eindeutig ist. Nur weil ich jeden Menschen – und damit dessen Würde etc. – respektiere muss ich noch lange keinen Respekt vor dessen Verhalten haben. Andersrum kann ein Mensch, der selbstlos viel für andere getan hat damit Respekt verdienen ohne eine Respektsperson zu sein.
November 22nd, 2007 - 20:14
Deutsch ist seltsam … Das, was du schon respektieren nennst, bezeichne ich noch als akzeptieren.
Respektieren kann ich jemanden erst, wenn ich ihn ein wenig kenne. Irgendwelche fremden Menschen akzeptiere ich, was heißt, dass ich ihnen ganz neutral begegne.
Respekt ist mehr für mich als für dich, wie es scheint.