theMesh A place in the middle of the bridge to nowhere

20Aug/102

Stadt der Kinder

Der kalte Frosttod für den Neugeborenen,
schnell kälter werdenden Körper Mensch,
dessen kleine Gliedmaßen wir unter unseren schweren Füßen brechen.

Geboren - geborgen haben wir ihn.
Aus dem Bauch der vor den Kirchentoren knienden,
weinenden Mutter herausgeschnitten haben wir ihn.

Verblutend sah sie das Gesicht ihres sterbenden Kindes,
sackte zur Seite, wurde still,
wie wir, die wir nun weiter marschierten.

In diesem Vorort nahmen wir mit
dem Besuch einer Taufe unseren Anfang.
Dieser Tradition, diesem Ritual bin ich verfallen.

Rot war der Ruhm, den die Stadt uns gab, laut war unsere Ehre.
Unsere schreienden Opfer gaben uns beides,
denn mit ihnen bedeckten wir unsere Gesichter.

Wir ließen euch dursten,
und gossen das Wasser vor euch in den Wüstensand,
nur um den Blick in euren Augen zu sehen.

Wir fütterten euch mit faulendem Fleisch,
immer und immer wieder.
Doch sterben konntet ihr immernoch nicht.

Endlich schleiften wir die geschundenen Körper
in eure große Kathedrale, euer Heiligtum,
in dem war Hochzeit, letzte Hochzeit.

Im Mittelschiff stellten wir schwere Holzkreuze an die Säulen,
an die wir, einander gegenüber, die Liebenden schlugen.
Sie sollten einander während der Läuterung sehen.

Zwischen ihnen spießten wir auf Pfählen die Körper toter Kinder auf,
entzündeten sie, und ihr Geruch, ihr Qualm waberte über den Boden,
füllte die Halle mit schalem Licht.

Amputationen am lebenden Körper,
während man einander zusehen muss.

Brennendes Holz,
Glut die unter die Fingernägel getrHieben wird.

Das betrachten der eigenen Gedärme,
die um den Hals gewickelt die Luft abschnüren.

Die dumpfen Laute, die unter den Trümmern hervordringen,
wenn niemand außer uns diese Stadt noch verlassen wird.

Eine Generation blutet das Fleisch der nächsten,
foltert ihre Kinder, quält ihre Erben zum Wahnsinn,
und stellt so den Fortbestand ihrer Kultur sicher.

Es bricht unser Herz,
aber wir fühlen uns einsam und schwach
in dieser dunklen, kalten Welt.

Der Traum von einer besseren Welt schmeckt wie Asche
in meinem Herzen. Mutter - vergib all unseren Hass,
nimm unser Leben wieder von uns, tilge unsere Erinnerung.

Endlich tritt im Sonnenuntergang neben den Tränen aus der gähnenden,
wortlosen Leere die Frage hervor: "Und wozu all das?".
Und darum ringen wir ein Leben lang.

Comments (2) Trackbacks (0)
  1. wow… ich konnte es endlich lesen… und das wars wert fischkind hat es auch gelesen oder? meine wand sagt mir sie hat :)

  2. :) – sie hat, aye – sie hat mir auch versichert, dass ich es veröffentlichen will ..
    - das Pic. hat sie aber frei davon gezeichnet, afaik .)
    - Oh – und danke fürs Kommentieren immer wieder :P


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